Bilder vom Festakt am 24.11.2017

„Außergewöhnliche Rettungsdiensteinsätze“  zum 40-jährigen Jubiläum von „Christoph 15“

Das erste „Straubinger Forum Rettungsmedizin“ am Samstag in der Sennebogen-Akademie stieß in Fachkreisen auf großes Interesse. Rund 200 Besucher tauschten sich über die Herausforderungen außergewöhnlicher Rettungseinsätze aus. „Hochaktuelle, über die Theorie hinausgehende, praxisnahe Themen und erstklassige Referenten haben uns bundesweite Resonanz beschert. An diesen Erfolg wollen wir anknüpfen und das Format dieser Veranstaltung konsequent weiterentwickeln,“  sagte Mit-Organisator Dr. Christoph Kerscher, Leitender Hubschrauberarzt von „Christoph 15“.

 

Im Publikum saßen Notärzte, Mitarbeiter der Rettungsdienste, der Bergwacht, der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie interessiertes Fachpublikum. Organisiert wurde das Symposium gemeinsam von Klinikum St. Elisabeth und ADAC-Luftrettungsstation „Christoph 15“. Inspiration bot das 40-jährige Jubiläum des Rettungshubschraubers „Christoph 15“, der am 17. November 1977 in Straubing als bundesweit 15. Standort an den Start ging.

 

„Es geht darum, berufs- und einrichtungsübergreifende Teams zu bilden“, beschrieb Klinikums-Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu die aktuellen Herausforderungen bei Großeinsätzen. Die Antwort hierauf sei kontinuierliches Training - bekannt aus Hochsicherheitsbereichen. „Wir werden uns den neuen Aufgaben stellen und nach Antworten suchen.“ Eine Plattform zum Austausch und zur Lösungssuche bot das Straubinger Forum Rettungsmedizin: Drei der Referenten waren in leitender Funktion an Rettungseinsätzen beteiligt, die bundesweites Aufsehen erregten:

 

Hintergründe und persönliche Eindrücke bei ihrem Notarzteinsatz nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche in Berlin am 19. Dezember 2016 mit 12 Toten und 50 Verletzten schilderte Carola Behling aus Berlin, die als ersteintreffende Notärztin vor Ort war. Bereits 4 Minuten nach ihrem Dienstbeginn wurde sie zu dem Einsatz gerufen, der deutschland-, ja sogar weltweit traurige Berühmtheit erlangte: „Ich dachte zunächst es handelt sich um einen routinemäßigen Verkehrsunfall. Erst am Ort des Geschehens wurde mir die Tragweite dieses Einsatzes bewusst.“

 

Dr. Michael Bracht und Rettungsassistent Thomas Neugebauer gaben ihre Erkenntnisse unter dem Titel „Schwieriges Terrain - das Zugunglück von Bad Aibling“ weiter. Auf Grund des unzugänglichen Geländes an der Unfallstelle wurde mit Hilfe der Bergwacht eine Luftbrücke eingerichtet, über die schwerstverletzte Patienten gerettet und auf wartende Rettungsmittel verteilt werden konnten. „Die Schwere der Einklemmung einzelner Patienten in den Zugabteilen erreichte ein bisher nicht dagewesenes Ausmaß. Teilweise konnten Personen erst nach mehreren Stunden geborgen werden. Dies stellte die Rettungskräfte vor eine besondere Herausforderung “

 

Welche Strategien 2014 bei der Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden angewandt wurden, erläuterte Bergwachtarzt Dr. Nico Petterich. „Insgesamt 728 Helfer aus sieben verschiedenen Ländern bemühten sich 12 Tage und Nächte um die Rettung aus 1000m Tiefe.“

 

Die medizinische Versorgung schwerstverletzter Patienten am Unfallort stellt höchste Ansprüche an alle Beteiligte, zumal derartige Einsätze für jeden in der Notfallmedizin tätigen Kollegen relativ selten sind. Welche Fallstricke dabei auftreten und wie diese zukünftig verhindert werden können, darüber berichtete in einem beeindruckenden Vortrag mit dem Titel „Hotspot Präklinik- vermeidbare Todesursachen nach Trauma“ der Rechtsmediziner Privatdozent Dr. Claas T. Buschmann von der Charite in Berlin.

 

Unter dem Titel „Aller Anfang ist schwer“ beschrieb Privatdozent Dr. Hans Vogel, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Anästhesie am Klinikum St. Elisabeth, in humorvoller Weise die von regelmäßigen Krisen gezeichnete Entwicklung des Rettungshubschraubers „Christoph 15“in den vergangenen 40 Jahren. Die Hürden scheinen „Christoph 15“ stark gemacht zu haben. Heute stehe er hervorragend da und sei der ADAC-Rettungshubschrauber mit den meisten Einsätzen in Bayern.

 

Einzelne Vorträge, Fotos, Videos und weitere Informationen rund um die Veranstaltungen findet man auch unter www.straubinger-forum-rettungsmedizin.de

 

 

 

Referenten und Organisatoren des Straubinger Forums Rettungsmedizin (v.l.):

Dr. Michael Bunz, Notärztin Carola Behling (Berlin), Christian Ernst, Privatdozent Dr. Claas T. Buschmann (Berlin), Dr. Nico Petterich (Bayreuth), Privatdozent Dr. Hans Vogel (Straubing), Prof. Dr. Matthias Jacob, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie am Klinikum St. Elisabeth, Dr. Michael Bracht (Rosenheim), Klinikums-Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu, Thomas Neugebauer (Rosenheim) und Dr. Christoph Kerscher, Leitender Hubschrauberarzt „Christoph 15“.